Krebs im Alter
Die demographische Entwicklung und der altersabhängige Anstieg der Inzidenz der Krebserkrankungen führen in den nächsten Jahrzehnten zu einer deutlichen Zunahme der Zahl alter Menschen mit Krebserkrankungen. Gleichzeitig sind diese Patienten in klinischen Studien bisher unzureichend berücksichtigt worden.
Es ist daher fraglich, ob die Ergebnisse klinischer Studien, Grundlage der klinischen Behandlung alter Menschen mit Krebserkrankungen sein können. Alte Patienten sind eine sehr heterogene Gruppe. Während die einen medizinisch fit sind, keine wesentliche Einschränkungen des funktionellen Status und keine wesentlichen Komorbiditäten haben und in einem funktionierenden sozialen Umfeld leben, sind andere medizinisch nicht fit, weisen unabhängig von der Krebserkrankung Einschränkungen der Selbstversorgungsfähigkeit auf, haben relevante Komorbiditäten.
Ein in der Geriatrie etabliertes geriatrisches Asssessment (GA) bietet die Möglichkeit, die individuellen Ressourcen und Defizite eines Patienten strukturiert und vergleichbar zu erfassen. Neben klassischen klinischen Studien bieten Patientenregister, wie z. B. das Register der Initiative Geriatrische Hämatologie und Onkologie (IN-GHO®) das weltweit das größte Register, das Daten zum GA bei über 70-jährigen Patienten mit Krebserkrankungen erhebt, mehr Information über die adäquate Behandlung älterer Patienten zu generieren. Die bisherigen Daten zeigen, dass die Informationen des GA neu sind, dass sie zu einer Änderung des therapeutischen Vorgehens führen können und dass sie von prognostischer Relevanz unabhängig vom chronologischen Alter der Patienten sind.